Fürstlicher Baumeister – Zur Architekturtheorie des Paul Decker (1677-1713)
Das Salzburger Barockmuseum präsentiert ab 16. April 2010 aus eigenem Sammlungsbesitz eine Auswahl an Kupferstichblättern aus dem barocken Werk "Der Fürstliche Baumeister" von Paul Decker. Decker wurde 1677 in Nürnberg geboren und erlernte zunächst den Beruf eines Kupferstechers. 1699 ging er nach Berlin, wo er Schüler und Nachahmer des Architekten Andreas Schlüter wurde. Nach seiner Rückkehr nach Nürnberg (1705) wurde er Hofarchitekt und trat 1710 in die Dienste des Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Paul Decker verstarb erst 36jährig im Jahr 1713. Er hinterließ kaum Bauwerke, aber die bedeutendste Architekturpublikation des deutschen Barock und gleichzeitig eines der aufwendigsten Stichwerke des frühen 18. Jahrhunderts. Der "Fürstliche Baumeister / Oder Architectura Civilis, Wie Grosser Fürsten und Herren Palläste / mit ihren Höfen / Grotten / Orangerien / und anderem darzu gehörigen Gebäuden füglich anzulegen und nach heutiger Art auszuzieren (...)" erschien zwischen 1711 und 1717 in Augsburg. Ursprünglich waren fünf Teile geplant, davon erschienen aber nach dem ersten Band nur noch ein Anhang und ein unvollständiger zweiter Teil. Der erste Teil hat den Gesamtentwurf eines fürstlichen Palastes zum Inhalt. Die 59 Tafeln zeichnete und stach Paul Decker selbst. Decker entwarf in dieser Kupferstichfolge die Anlage eines barocken Schlossbaues mit Garten und allen Nebengebäuden. Ihm lag vor allem daran, ein Gesamtkonzept vorzulegen, das die gesamte Planung von den Grund- und Aufrissen bis zur Innenausstattung und sogar bis zu Details der Möblierung umfasste. An eine Ausführung dieses Palastbaues war nie gedacht, jedoch galt diese Serie immer als Idealvorstellung. Die Gärten gestaltete er mit Grotten und Brunnen, versenkten Fontänen und architektonisch aufgefassten Bosketten und Alleen. Hier vermischte er italienische, französische und Wiener Anregungen. Ebenso lieferte er Anregungen zu phantastischen Türmen und Ehrenpforten. Der "Fürstliche Baumeister" ist wohl der beste Spiegel der Bauleidenschaft der deutschen Fürsten aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Das Salzburger Barockmuseum zählt zu seinem Sammlungsbestand eine hervorragend erhaltene, komplette Ausgabe dieses Werks, aus der nunmehr nach einer Restaurierung ausgewählte Blätter zu sehen sind, die einen Einblick in barocke Architekturtheorie und Bauleidenschaft vermitteln. |