Salzburger Nachrichten, 7. April 2006
Andreas Nesselthaler im Barockmuseum
SALZBURG (SN-pac). So unterschiedlich können Ansprüche an die Zufriedenheit am Arbeitsplatz sein: W. A. Mozart verließ 1781 wütend die Hofkapelle seines Dienstgebers Hieronymus Colloredo. In der Nachwelt trug der Eklat Salzburgs letztem Fürsterzbischof die schlechte Nachrede eines wenig kunstsinnigen Landesherren ein.
Von Andreas Nesselthaler sind in dieser Hinsicht keine Klagen über seinen Chef überliefert: Seit 1789 stand der Maler (1748-1821) in Colloredos Diensten. Nachdem der Hofstaat zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgelöst worden war, ging Nesselthaler als letzter Salzburger Hofmaler in die Geschichte ein.
Die Unterschiede mögen im künstlerischen Temperament zu suchen sein: Während in Mozart das Genie zum Ausbruch aus dem Dienstverhältnis drängte, fühlte sich Nesselthaler als Kunstangestellter scheinbar nicht unwohl. Dafür stand zum 250. Geburtstag von Colloredos Hofmaler 1998 allerdings auch nicht die ganze Welt Kopf. Im Gegenteil: Von der Kunstgeschichte wurde Nesselthaler kaum beachtet. Das Salzburger Barockmuseum hat das Mozartjahr und eine 1998 verfasste Diplomarbeit (Bettina Rossbacher) über den Maler nun zum Anlass für eine Nesselthaler-Schau genommen (7. 4. bis 5. 6.). Gezeigt werden etwa die erhaltenen Werke aus der von Nesselthaler am Hof eingerichteten Enkaustik-Kammer. Die antike Maltechnik unter Verwendung von Hitze und in Wachs gebundenen Farbpigmenten erfuhr damals eine Renaissance, Nesselthaler zählte zu ihren Experten. Auch Nesselthalers (einziges zeitgenössisches) Porträt J. M. Haydns ist zu sehen.
Altarbilder, Adelsporträts, Stillleben: Als Hofmaler und "Gallerie-Inspector" musste der niederbayerische Klassizist ein Allrounder sein – die mitunter fehlende persönliche Strahlkraft seiner Werke trug zu seinem schnell verblassten Bild in der Kunstgeschichte bei.
Dafür konnte er um 1800 den Titel von Salzburgs einzigem Landschaftsmaler beanspruchen. In einem anderen Metier bewies er Schöpfergeist: Nesselthaler gilt als Erfinder der "Transparentbilder" – mit Gouachefarben gemalten Nachtlandschaften, die erstrahlen, wenn sie von hinten beleuchtet werden. Der Mond ist auf den lange verschollen geglaubten Bildern ein rundes Loch, durch das der Lichtschein ungefiltert leuchten kann. Seine präromantischen Vorläufer des Fernsehens verkaufte Nesselthaler bis Norddeutschland.