drehpunktkultur.at, 4. Juli 2006

Klassizistische Geister

Bis 24. September im Barockmuseum: "Die Hagenauer – Künstler, Kaufleute, Kirchenmänner im Salzburg der Mozartzeit"

Von Reinhard Kriechbaum

Mozart war nicht der einzige, der sich mit Fürsterzbischof Colloredo nicht vertragen hat. Auch der Bildhauer Johann Baptist Hagenauer hat das Weite gesucht, 1772 schon. In Wien war er entschieden erfolgreicher als Mozart: Der Kaiserhof gab ihm für die Ausstattung des Schönbrunner Schlossparks Aufträge, Hagenauer übernahm eine Bildhauerklasse an der Akademie und wurde schließlich Direktor einer Graveurschule.

Nach heutigem Verständnis würde man sagen, Johann Baptist Hagenauer habe dort "Industrial design" gelehrt. Im Barockmuseum sind Dutzende Vorlageblätter aus seiner Hand ausgestellt: Entwurfszeichnungen für Vasen und Kandelaber, für Brunnen, für Knöpfe, sogar für ein Klappbett. Ein gutes Stück "angewandter" Klassizismus.

Thema der Schau sind die Hagenauers als Familie. Der eine, Spezereywarenhändler Lorenz, war Quartiergeber Mozarts. Seinen armen bayerischen Vettern finanzierte er die Ausbildung. So wurde aus Wolfgang Hagenauer der maßgebliche Baumeister im Lande und Johann Baptist der "Hofstatuarius". Ihr gemeinsames Meisterwerk war das Neutor, das nicht, wie ursprünglich vorgesehen, bloß ein weiteres Stadttor wurde, sondern eine ansehnliche Triumphpforte.

Petersbrunnhof und der Aiglhof, die Kirchen von Hallein, Böckstein, Mattsee, Zell am Ziller, das Pfleggericht in Radstadt – eine kleine Auswahl nur aus den Bauten Wolfgang Hagenauers landauf, landab. Sein Bruder Johann Baptist lieferte mit der Marienstatue auf dem Domplatz eines der von Touristen meistfotografierten Objekte in der Altstadt.

Viele Werke sind zu sehen im Barockmuseum, Architekturzeichnungen natürlich, Pläne, Modelle, ausgearbeitete Statuen, eine ganze Reihe von Terrakotta- und Bleiplastiken. Ein Blickfang sind jene Gipsfiguren, die Johann Baptist Hagenauer als Entwürfe für den Schlosspark Hellbrunn geschaffen hat. Die Teufelsfratze, die auch als Plakatmotiv dient, gehört zur Mariensäule.

Deutlich zu kurz kommt der Kaufmann Lorenz Hagenauer. Diesen Aspekt hätte man mit kluger Zusammenarbeit mit dem SMCA (gerade heuer, da alles "bürgerliche" Material ohnedies im Museumsdepot liegt) durchaus anschaulicher machen können. Auch den Kirchenmann Kajetan Hagenauer, der als Pater Dominicus (und späterer Abt von St. Peter) in der Mozart-Biographie eine Rolle spielt (er ist beispielsweise Widmungsträger der "Dominicus-Messe", die zu seiner Primiz entstand) hätte man anschaulicher präsentieren können.

Irgendwie wirkt das Thema zu groß für das Barockmuseum und wohl auch für seine finanziellen Ressourcen. Beides ist im Barockmuseum eher knapp, und so ist doch vor allem eine kunsthistorische Schau geworden, dem Titel "Künstler, Kaufleute, Kirchenmänner" zum Trotz.

Hübsch die Entwurfszeichnungen der Hagenauers für die Ruinenbastei: In eine solche hätte das Neutor stadtauswärts münden sollen. Es wäre eine künstliche Ruinenlandschaft geworden, die ans alte Juvavum erinnern hätte sollen. Was für eine verschrobene Idee klassizistischer Geister! Wenn man sich demnächst allen Ernstes dranmacht, den Furtwänglerpark als historischen Garten zu rekonstruieren, könnte man ja gleich in der Riedenburg weiter machen. Wie sich die Hagenauer diese Historien-Spielwiese vorstellten, kann man im Barockmuseum bewundern.

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