Salzburger Nachrichten, 5. Juli 2006
Das Barockmuseum zeigt eine Ausstellung zum Werk der Brüder Hagenauer
SALZBURG (SN-pac).Wer heute in Salzburg stadteinwärts durch das Sigmunds- oder Neutor fährt, achtetin der Regel eher auf den Gegenverkehr als auf die detailreich modellierte Figur des heiligen Sigismunds, der als Patron über dem Tunnelportal wacht. In den 1760er Jahren hätten derDurchbruch des Mönchsbergs und die Anlieferung des Untersberger Marmors für die Sigismund-Skulptur von Johann Baptist Hagenauer dagegen ganze Volksaufläufe verursacht, erzählt die Kunsthistorikerin Ingeborg Schemper-Sparholz. Sigismund Schrattenbach, dem Auftraggeber für den Tunnel und die Triumph-Pforte, war die Vollendung des Projektes 1769 ebenfalls einiges wert. "Eine Viertelmillion, umgerechnet in heutige Kaufkraft", habe sich in der Schatulle befunden, die der Salzburger Fürsterzbischof Johann Baptist und Wolfgang Hagenauer als Lohn für ihr Neutor-Design zukommen lassen habe, erläutert der Historiker Adolf Hahnl.
Die beiden Wissenschafter führten am Dienstag durch die aktuelle Ausstellung des Salzburger Barockmuseums, die in ihrem Titel ("Die Hagenauer - Künstler, Kaufleute und Kirchenmänner im Salzburg der Mozartzeit") der weit verzweigten Familie Hagenauer, inhaltlich jedoch vor allem den Brüdern Wolfgang und Johann Baptist, gewidmet ist. Die beiden Portale zum Neutor zählen zu den berühmtesten Beiträgen des Baumeisters Wolfgang (1726-1801) und des Bildhauers Johann Baptist (1732-1811) Hagenauer im Salzburger Stadtbild. Eine andere berühmte Spur zur Familie Hagenauer findet sich auf dem Domplatz: Johann Baptists Marienstatue von 1771.
Mit W. A. Mozart hatten die Brüder nicht nur die Förderung durch ihren Landesherren Sigismund gemeinsam. Die Mozarts wohnten in der Getreidegasse im Haus von Lorenz Hagenauer. Onkel Hagenauer wiederum war es, der seinen Neffen das Tor zum Fürstenhof öffnete.
Trotz der Nähe zu Mozart sind die Hagenauer im öffentlichen Gedächtnis nicht überrepräsentiert: Für eine Schau zum Werk der Brüder, die in Salzburg eine Wende vom Rokoko zum Klassizismus propagierten, sei es "höchste Zeit" gewesen, sagte Barockmuseums-Leiterin Regina Kaltenbrunner.
Zu sehen sind ab heute, Mittwoch, etwa Wolfgangs Entwürfe für Bauten im ganzen Land (so auch die für das Neutor) sowie Zeichnungen und Plastiken von Johann Baptist - darunter auch Modelle von Statuen, die er später für den Schönbrunner Park entwarf. Denn in einem Punkt ging es Johann Baptist ähnlich wie Wolfgang Amadeus: Er bevorzugte, nach Dienstantritt des Erzbischofs Colloredo in Richtung Wien das Weite zu suchen.