drehpunktkultur.at, 14. Juni 2007
Das Salzburger Barockmuseum präsentiert in der Sonderausstellung Versailles - Der Garten des Sonnenkönigs“ 15 Gouachen, die die Gärten des Sonnenkönigs in ihrem ursprünglichen Zustand zeigen. Bis 9. September.
Von Heidemarie Klabacher
Wo unzählige Brunnen plätschern, Fontänen gegen Himmel schießen und kühle Grotten Schatten spenden, war ursprünglich eine Gstätten“ ohne Wasser, bewohnt nur von Ungeziefer und Ratten: Bis König Ludwig XIV., gegen den ausdrücklichen Rat seiner Berater, den Kopf durchsetzte und jene Gärten anlegen lies, die noch heute bezaubern. Versailles – dem Garten des Sonnenkönigs“ widmet des Salzburger Barockmuseum eine einzigartige Sonderausstellung.
Die Gärten in Versailles und Trianon wurden im Auftrag des Königs von dem Künstler Jean Cotelle (1645-1708) in einem Gemäldezyklus festgehalten. Zeitgleich mit den Gemälden malte Cotelle kleinere Kopien, Gouchen von hoher künstlerischer Qualität und sprühender Farbe. Sie galten seit der Französichen Revolution als verschollen. Erst 1988 sind sie wieder aufgetaucht und werden nun erstmals gemeinsam im Salzburger Barockmuseum der Öffentlichkeit vorgestellt.
Noch nie waren alle fünfzehn erhaltenen Gouachen außerhalb Frankreichs gemeinsam an einem Ort ausgestellt, sagte Xavier Salmon, von der Französischen Museumsaufsicht, auf dessen Anregung der Zyklus nach Salzburg kam. Warum ausgerechnet ins Barockmuseum? Eine Ausstellung über einen Garten inmitten über eines Garten – was kann es Stimmigeres Geben.“
Es waren damals Ingenieursleistungen ersten Ranges notwendig, um die Wüstenei zu bewässern. Pipelines von der Seine wurden gelegt, Wasserdepots und Pumpmaschinen waren nötig, um die Pläne des Königs zu verwirklichen. Als bei den Grabungen an der Stelle des späteren Schweizerteiches“ Methangas austrat, kamen tausend Soldaten, die als Arbeiter eingesetzt waren, ums Leben, erzählt Xavier Salmon. Später sei der Betrieb der Anlagen so teuer und das Wasser weiterhin so kostbar gewesen, dass die Brunnen und Quellen nur eingeschaltet wurden, wenn der König in Sicht kam.
Jean Cotelle (1645-1708) wurde 1671 als Miniaturist in die Pariser Akademie in Paris aufgenommen. Später trug er den Titel "peintre ordinaire du roi". Bis 1688 war er als Dekorationsmaler für die Galerie im Trianon in Versailles tätig. In der Schlossgalerie von Versailles haben sich 21 Ansichten von königlichen Bauten erhalten. Cotelle entwarf auch Triumphbogen, doch seine große künstlerische Bedeutung erlangte er als Miniaturmaler.
Seine 15 Gouachen sind heute von unschätzbaren Wert als Dokumentation über das Aussehen der Gartenanlagen in den späten 1680er Jahren, denn Gärten unterliegen, so Xavier Salmon, der Mode, und auch die Gärten von Versailles wurden vielfach verändert. Gut die Hälfte der abgebildeten Anlagen sind heute noch erhalten.
Bevölkert sind die Gärten und Grotten von einer Göttlichen Staffage: Themen sind die Liebschaften der Götter nach Ovids Metamorphosen. Als Begleitheft zur Ausstellung erscheinen die BAROCKBERICHTE 46/47, die ganz dem Thema Garten gewidmet sind. Sie freue sich besonders über diese Ausstellung, sagt Regina Kaltenbrunner, die Direktorin des Barockmuseums, da auch der Museumsleitplan Dieter Bogners die Empfehlung enthält, das Barockmuseum solle auf das Thema "Garten" einen Schwerpunkt legen.