Südostbayerische Rundschau, 9. Juli 2008
Sonderausstellung im Salzburger Barockmuseum von Juli bis Oktober
von Beatrix Dargel
Salzburg. Im Barockmuseum ist bis 26. Oktober die Sonderausstellung des katalanischen Faltkünstlers Joan Sallas zu erleben, mit Falttechnik vom 16. Jahrhundert an. Vergessene Faltungen werden in Form von Fischen, Vögeln und anderen dekorativen Figurenlebendig.
Wilde Tiere im Haus? Ist das nicht gefährlich? Eine meterlange Schlange "begrüßt" die Besucher an der Treppe und weist den Weg. Die Schlange schwebt in sicherer Entfernung unter der Decke. Stufe um Stufe gelangt man an das Ende der Schlange und damit zur Ausstellung im Obergeschoss.
Der Blick wandert zu dem in Stoff gehüllten Tisch mit den "wilden Tieren". Ausgefahrene Krallen und Respekt einflößend auf den Hinterbeinen erhoben – die "Geschöpfe" bereit zur Verteidigung des Tischbrunnens. Entwarnung. Löwe und Greif sind aus gewebtem Leinen gefertigt.
Bereits im späten Mittelalter und ab dem 16. und 17. Jahrhundert gab es aufwändige Leinendekorationen um die Gäste zu beeindrucken und bei Tisch für Gesprächsstoff zu sorgen.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts unterrichtete der Deutsche Mattia Giegher in Padua an der Universität in der Kunst des Serviettenfaltens. In Bayern hieß der deutsche Lehrer noch Mattias Jäger. Ihm ist es zu verdanken, dass im Jahr 1639 in Italien das erste bebilderte Faltbuch der Welt, wenn auch in italienischer Sprache, erschien. Alte und neuere Bücher zum Thema Falten sind ausgestellt und zeigen die Anfänge einer anspruchsvollen Tischkultur. Viele Lehrer, Schneider und Kellner trugen zur Verbreitung der Faltkunst bei.
An einem Übungstisch kann der Besucher nach Anleitung seine Lieblingsserviette falten. Er sollte etwas Zeit mitbringen, sich auf Faltensuche begeben und im Mirabellgarten in Salzburg die Weiten des Faltozeans mit Tischkultur und "wilden Tieren" erleben.
Es gibt einen Katalog zur Ausstellung "Tischlein deck dich" von Joan Sallas und eine CD mit Faltanleitungen