Barockmuseum Salzburg erinnert an die hohe Kunst der scharfen Kanten "Tischlein deck dich: Tafeldecken und Serviettenbrechen"
Salzburg – Ein Gebirge aus Butter oder Zucker? Auf einer festlichen Tafel? Im Barockmuseum Salzburg ist das "Tischgebirge" zwar nur aus Stoff. Doch die nahrhaften Alternativen entstehen sofort vor dem geistigen Auge des Besuchers der Ausstellung "Tischlein deck dich". Berge galten als Symbol für die Herrschaft übers Land und wurden je nach Rang des Gastes mehr oder weniger zahlreich aufgeschichtet. Neben dem Tischgebirge bewachen zwei gefaltete Löwen einen Zimmerbrunnen. Die Schau am Rand des Mirabellgartens erinnert an die vergessene Kunst, eine Tafel in eine Art "Kulisse für Festgäste" zu verwandeln.
Dazu waren Fingerfertigkeit, ein bisschen Geometrie, Fantasie und die geeigneten Stoffe vonnöten. Vor allem die Kunst des Stofffaltens, die in Italien schon im 16. Jahrhundert entstand, verblüfft in ihren Dimensionen. So durften sich früher Festgäste an weitläufigen "Schaugerichten" erfreuen. Auf den Festtafeln tummelten sich Tiere und Figuren als Sinnbild des jeweiligen Mahls, aus essbaren oder nicht-essbaren Materialien. Sie sollten die Gäste ins Gespräch bringen und den Appetit anregen. Vom 16. bis 18. Jahrhundert delektierte man sich an kunstvoll aus Stoff gefalteten kleinen Schlössern, die mitten auf die Tafel platziert wurden und den Schutz des Landes durch den Landesherren symbolisierten. Im Innenhof warteten mit Korallen gesschmückte Kaninchen, in den Schlosstürmen zwitscherten lebendige Vögel, die beim Eintreffen der Gäste unter Posaunenklang und Feuerwerksstrahlen freigelassen wurden.
Der riesige Tischbrunnen, der die Salzburger Ausstellung dominiert, diente dafür, dass sich die Gäste am Tisch ihre Finger reinigen konnten. Manchmal füllten ihn die Gastgeber auch mit Wassertieren oder ließen parfümiertes Wasser und auch Wein im Zentrum des Gast-raums sprudeln. Der Katalane Joan Sallas, der heute in Freiburg als Papierfalter und Cortoonist lebt, hat die Figuren der Ausstellung kunstvoll gefertigt. Die schmalen, grazilen Löwen (fast in Naturgröße) weisen Längsund Schuppenfalten auf; eine mehrere Meter lange, gefältelte Schlange empfängt die Besucher schon im Treppenhaus des Barockmuseums. "Exakt geteilt, gleich breit und scharf gefaltet", so sollen die langen Falten aussehen, die als erste Faltart für Dekorationszwecke gelten. Woher die Tierfiguren- und Schlossfalter ihre Anregungen holten? Nicht aus der Tatsache, dass Wäsche oft in Truhen lagerte und damit ungewollt gefaltet wurde. Die komplexe florentinische Kleidermode Ende des 15. Jahrhunderts regte zur Nachahmung in Sachen Tischkultur an.
Die Ausstellung "Tischlein deck dich" im Salzburger Barockmuseum ist bis 26. Oktober zu sehen. Geöffnet ist sie im Juli und August von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. Informationen unter Telefon 0043/662/877432.