Kronenzeitung 20. Juli 2008
Salzburger Barockmuseum: "Tischlein deck dich"
Servietten sind für uns bestenfalls dekorative Objekte, die zur Tischdeckung gehören, im Grunde nur pragmatischen Nutzen haben. In der italienischen Renaissance und im deutschen Barock war das noch ganz anders, da wurde die Kunst des Serviettenfaltens an Universitäten gelehrt, wie im Barockmuseum zu erfahren ist.
Der Brauch, Gewebe zusammenzulegen, ist vermutlich so alt wie dieses selbst. Doch der erste schriftliche Beleg gefalteter Tischwäsche stammt aus den Beschreibungen von Banketten aus dem Jahr 1529. Diese Falt-Kunstwerke stellten mythologische Szenen dar und boten Anregungen für das Gespräch der Fest-Gäste. Das Salzburger Barockmuseum engagierte den katalanischen Künstler Joan Sallas, der diese verloren gegangene Kultur erforscht und sie mit eigenen Objekten bereichert. So sind allerhand Getier wie eine Schlange, Pelikan, Fisch und Hase zu bestaunen, und wer falttechnisch nicht auf der Höhe ist, der kann dort auch üben.